Modell der Woche
Kimi K3 ist jetzt frei. Nutzen kannst du es trotzdem nicht
Moonshot hat die Gewichte veröffentlicht: 1,56 Terabyte, rund zwanzig H100. Was offene Modelle dem Mittelstand wirklich bringen.
1,56 Terabyte. So viel wiegt das größte offene KI-Modell der Welt, seit Moonshot in der Nacht auf den 27. Juli die Gewichte von Kimi K3 auf Hugging Face gestellt hat, einen Tag früher als angekündigt.
Ich habe nachgesehen, was nötig wäre, um das Ding zu starten. Die Antwort auf „können wir das selbst betreiben“ lautet für praktisch jeden deutschen Mittelständler: nein.
Damit ist die Freiheit, die in „offene Gewichte“ steckt, für dich nicht nutzbar. Die Lizenz erlaubt dir alles, und einlösen kannst du davon nichts.
Und trotzdem ist dieser Tag für uns alle relevant.
Die Rechnung, die niemand macht
Offene Gewichte sind die trainierten Parameter eines Modells, öffentlich zum Herunterladen. Wer sie hat, darf das Modell betreiben, ohne den Hersteller zu fragen.
Der Speicher ist dabei das kleinste Problem. Für Download, Cache und Betriebskopien rechnest du mit 2,5 bis 3 Terabyte, und die kosten fast nichts.
Das Problem ist das Laden. Kimi K3 hat 2,8 Billionen Parameter, und die müssen alle gleichzeitig im Grafikspeicher liegen. Dass davon nur 104 Milliarden pro Anfrage rechnen, macht das Modell schnell, nicht kleiner. 1,56 Terabyte auf Beschleunigern mit je 80 Gigabyte sind rund zwanzig Karten, und weil solche Server als Achter-Knoten gebaut werden, in der Praxis drei davon mit 24 Karten. Für den Produktivbetrieb empfiehlt Moonshot 64 oder mehr. Eine belastbare Untergrenze hat das Unternehmen nie veröffentlicht, deshalb ist das Gewicht der Dateien hier die härteste Zahl, die es gibt.
Was das kostet, lässt sich beziffern. Eine H100 liegt bei den günstigen Cloud-Anbietern zwischen 2 und 3,50 Dollar je Stunde, 24 davon im Dauerbetrieb also bei 35.000 bis 60.000 Dollar im Monat. Wer die Hardware kaufen will, zahlt für einen fertigen Server mit acht Karten rund 285.000 Dollar, für die nötigen drei also rund 855.000, bevor Strom, Kühlung und die Person dazukommen, die sie betreibt. Für die 64 Karten, die Moonshot für den Produktivbetrieb empfiehlt, sind das acht solcher Server, also gut zwei Millionen.
Die Grenze, ab der sich das rechnet, kannst du selbst ziehen. Bei 3 Dollar je Million Token entspricht allein die Miete der Minimalkonfiguration zwölf bis zwanzig Milliarden Token im Monat. So viel Text schickt kein Mittelständler durch ein Modell.
Was in der Lizenz steht
Kimi K3 läuft unter einer modifizierten MIT-Lizenz. Herunterladen, betreiben, verändern, kommerziell nutzen: alles erlaubt.
Die Änderung greift erst ab 100 Millionen monatlich aktiven Nutzern oder 20 Millionen Dollar Jahresumsatz mit dem Modell, dann braucht es eine gesonderte Vereinbarung. Die Klausel zielt auf Anbieter, die ein fremdes Modell als eigenes Produkt weiterverkaufen. Für ein Unternehmen, das damit arbeitet, ist sie ohne Bedeutung.
Das ist der Punkt, an dem die Freiheit auf dem Papier und die Freiheit in der Praxis auseinandergehen. Erlaubt ist dir alles. Möglich ist dir davon nichts.
Der eigentliche Gewinn
Wenn du es nicht selbst betreiben kannst, wozu dann die Aufregung?
Weil offen nicht heißt, dass du der Betreiber sein musst. Es heißt, dass du dir aussuchen kannst, wer es ist.
Ein geschlossenes Modell gibt es bei genau einem Anbieter, zu dessen Preis, in dessen Rechenzentrum. Bei einem offenen konkurrieren mehrere Betreiber. K3 war innerhalb von Stunden bei mehreren buchbar, und dort geht es nicht mehr darum, wer das bessere Modell hat, sondern wer es günstiger betreibt.
Der Preis, weil danach immer gefragt wird
Über die Schnittstelle kostet K3 bei Moonshot 3 Dollar pro Million Eingabe-Token und 15 pro Million Ausgabe. Wiederholte Anfragen mit gleichem Vorspann fallen auf etwa 30 Cent. Claude Opus 5, diese Woche das andere Thema, liegt bei 5 und 25.
Was du dabei nutzt, ist nicht die freie Datei, sondern der Dienst eines Betreibers. Genau wie bei einem geschlossenen Modell, nur dass du diesmal die Wahl hast, welcher es ist.
Offene und geschlossene Modelle spielen also nicht mehr in verschiedenen Preisklassen. Damit wird die Modellwahl eine Frage der Aufgabe statt des Budgets.
Was das für dich heißt
Offene Gewichte sind selten eine Einladung, selbst ein Rechenzentrum zu betreiben. Bei dieser Größe sind sie es ganz sicher nicht.
Was sie dir geben, ist eine Verhandlungsposition. Ein Modell, das mehrere Betreiber anbieten können, lässt sich nicht an einen einzigen Vertrag binden. Und eines, das in Europa laufen kann, muss nicht in den USA laufen, nur weil sein Hersteller woanders sitzt. Moonshot sitzt in Peking, was die Rechnung für manche erst interessant macht.
Auf diese Auswahl haben wir RelationFlow ausgelegt. Die großen geschlossenen Modelle liegen an einem Ort, und wer ein offenes Modell bei einem europäischen Betreiber oder auf eigener Hardware einbinden will, kann es in jedem Plan dazustellen. Für die Fälle, in denen wirklich nichts das Haus verlassen darf, ist das der Unterschied zwischen einem zweiten Insel-Tool und einer Auswahl im selben Arbeitsbereich.
Warum ein Modell nie reicht, gilt in beide Richtungen.
Die Regel, die ich mir aus dieser Woche mitnehme: Frag bei einem Modell nicht zuerst, was es kann, sondern wie viele Leute es dir anbieten können. Die Antwort auf die zweite Frage hält länger.
Quellen: Moonshot auf Hugging Face. Hardware-Preise nach getdeploying und CloudZero, Stand Juli 2026.